Was mich links swipen lässt

Analysen zu Tinder, zur Oberflächlichkeit des Swipe-Stils gibt es ja schon genug. Doch was konkret ist es denn, das mich links oder rechts wischen lässt? Ich entscheide manchmal in einer halben Sekunde. Was sind meine Kriterien, die sich so schnell abrufen lassen und deren Wirksamkeit in einem Daumenschwung münden?

Es ist nicht das Aussehen

In meinen Zwanzigern war ich mir sicher, dass ich absolut kein oberflächlicher Mensch bin. Erst das Tinder-Verhalten in meinen Dreißigern hat mich dazu gebracht tiefer darüber nachzudenken. Zuerst habe ich mich damit selbst überrascht, dass ich so schnell entscheiden kann, also eigentlich nicht nur kann, sondern auch will. Ich habe mich gewundert wieso mir das so schnell möglich ist, woran es liegt und ob es mir denn plötzlich nur noch um das Äußere geht.

Es ist die Darstellung

Das Äußere bedeutet aber nicht das Aussehen, das Äußere ist die gesamte Außenwirkung. Es ist die bewusste oder unbewusste Darstellung und Positionierung der eigenen Person und diese erzählt mir natürlich viel mehr. Es geht nicht um das Gesicht oder den Körper. Ich sehe in der Mimik, in der Körperhaltung, in der Umgebung, der Kleidung, den Gegenständen oder anderen Personen im Bild einen Teil seines Lebens. Egal ob er wirklich so ist, oder ob er sich so darstellen möchte. Dieses Bild, das er mir von sich gibt, gibt mir die Möglichkeit schnell zu entscheiden.

Es sind die Codes auf den Bildern

Beide Seiten wissen Bescheid. Zumindest ist das meine Annahme, dass auch er weiß welche Frauen er mit welchen Fotos anspricht und welche nicht. Es sind die Codes auf den Bildern, die es schnell zu entschlüsseln gilt. Damit ist natürlich noch lange nicht die Person in ihrer Gesamtheit erkennbar, aber das ist die Chance beim Spiel, auf das sich beide Seiten einlassen.

Was mich links swipen lässt

Eh klar, dass es verschiedene Kombinationen und Abhängigkeiten gibt. Hat er X nicht, dafür steht dort, dass er Y gut findet, dann kann ich X fürs Erste ignorieren. Doch was lässt mich links swipen? So mit den Tinderjahren weiß ich dann doch innerhalb von einem Bruchteil einer Sekunde was ich nicht mag. Zumindest in diesem Bruchteil eines Tinder-Moments. Hier eine kleine spontane Auswahl.

Kleidung

  • Hollister-T-Shirt
  • Hilfiger-Kleidung
  • T-Shirt mit Spruch (nicht immer, aber oft)
  • Cargohosen (nicht immer, aber oft)
  • Einstecktücher
  • alle Fotos nur mit Sonnenbrille
  • ohne Kleidung, nackt oder halbnackt
  • Hüte (nicht immer, aber oft)
  • Tracht
  • Ketten

Mimik

  • aggressiver Wut- oder Kampfblick
  • Schlafzimmer- oder Dackelblick
  • Schmollmund oder obszöne Mundformationen
  • nachdenklich die Stirn runzeln

Aktivitäten/Posen

  • Klettern, Marathon, Rennrad, Wettbewerb, …
  • Gewichte stemmen, Fitnesscenter
  • Urlaubsfotos vor Attraktionen
  • mit sedierten Tigern, Löwen, Affen, anderen Wildtieren
  • Kapitän spielend und posierend auf einem Boot
  • sich im Privatjet oder First Class Flug präsentieren
  • im oder vor einem (teuren) Auto oder vor/auf einem Motorrad
  • den harten Penis präsentierend
  • geangelte Fische in die Kamera halten
  • Daumen nach oben

Texte

  • kein Text ist gar nicht gut
  • Zitate (die meisten)
  • vermeintlich coole Sprüche
  • alles nur Emojis
  • Zu schreiben was ich schon mal alles nicht sein, schreiben, tun, … soll.
  • aggressive Wortwahl
  • frustrierte attackierende Aussagen
  • Aufzählung in wie vielen Ländern man schon war
  • alles was mit Sexismus, Rassismus, Menschenverachtung, Hass, … zu tun hat

In Kürze erscheint „Was mich rechts swipen lässt“.

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