Supernova – unberührt

Jemanden kennenlernen und alles verändert sich. Beim ersten Wort, das man sich schreibt, weiß man es schon. Ich könnte mich auf etwas Großes einlassen, wenn ich mich traue. Ich möchte es. Aber es ist auch nicht so, dass ich eine Wahl hätte. Wie könnte ich nicht? Ich kann und mag nichts verpassen, nichts, das sich jetzt schon so groß anfühlt. Jedes Wort ist elektrifiziert, jeder Gedanke trifft mich mit einer Intensität, als wäre es unwirklich; als wäre er unwirklich; als wären wir unwirklich. Misstrauen und Zweifel an der Wirklichkeit vergiften die Szenen und zerstören unser Zusammensein.

Wie passiert so etwas? War es einfach da oder ist es entstanden? Wenn es entstanden ist, was waren das für Zellen, die sich geteilt haben, wie schafften wir es diese explosive Materie zu erschaffen?

Für mich gibt es nichts Anziehenderes, als einen reflektierten, intelligenten, neugierigen, kritischen, empathischen, intensiven, fühlenden offenen Menschen. Er war alles. Er war für mich wie eine Märchenfigur, er konnte nicht echt sein, er konnte nicht wahr sein. Ich fühlte mich so umfasst von ihm, dass ich weinen wollte. Ich wusste, er würde mich wieder loslassen. Ich fühlte den Schmerz sofort, in dem Moment, als ich ihn, den Mann, zum ersten Mal erfühlte. Ich war so sehr im Zwiespalt, ich wusste nicht was ich tun oder nicht tun sollte, ich war paralysiert. Ich bewunderte und genoss uns von außen, unser Zusammensein, unsere Gespräche, unsere Blicke, unsere Berührungen, unsere Gefühle. Ich lief um uns herum, um uns zu betrachten, um den Fehler zu finden. Ich hatte zu große Angst uns aus mir heraus zu sehen und zu fühlen. Weil wenn es weg ist, wenn es uns plötzlich nicht mehr gäbe, wir verloren gingen, dann würde ich den Verlust nicht ertragen können. Mit der Vorstellung uns von außen zu betrachten bliebe es eine Geschichte, die ich ohne tiefe Wunden genießen werde können.

Aber Geschichten zu beobachten genügt mir ja doch nicht, ich möchte sie gestalten, ich möchte sie beleben, ich möchte sie schreiben, ich möchte in ihnen leben. In diesem Fluss des Geschichte schreibens dürfen wir nicht unterbrochen werden. Unsere Gier, meine Gier erträgt keine Pausen; ich verzichte auf meinen Atem, damit ich mehr von uns erfahren kann. Ich möchte nicht mehr denken, ich möchte mich fallen lassen und ich möchte wissen, dass alles gut wird, dass alles gut ist. Die Intensität meines Gefühls zu ihm lässt mich wahnsinnig werden, ich verspinne mich selbst in meinem eigenen Netz. Ich will ihn mit mir und ich will uns wie wir sind, ich will uns glücklich, aber ihn und mich und fern dieses uns‘, das uns womöglich zerstört. Er ist mir so nah, so schön schmerzhaft nah.

Plötzlich kommt nichts mehr zurück, die Resonanz hat mich verlassen; er ist weg. All die Intensität und all mein Gefühl implodieren zu einem kalten, schwarzen, tiefen, hohlen Schmerz mit Hall.

Ich wollte es mir zur Sicherheit ja nur vorstellen, von außen, und doch war es immer meine Realität.

Um etwas zu weinen, das nie existiert hat. Das ist die pure Qual. Unberührt. 

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